Kampf dem Vergessen: Alzheimer erkennen, wirksam vorbeugen

Buchstäblich den Verstand verloren, sofern man den Begriff Demenz wörtlich nimmt: Aktuell leben etwa 1,4 Millionen Demenzkranke in Deutschland, die Mehrzahl 85 Jahre und älter, denn die Demenzhäufigkeit steigt mit dem Alter. Doch auch Menschen unter 65 erkranken, darunter 0,1 % der Bevölkerung zwischen 45 und 65. Dabei ist Demenz keine Krankheit, sondern umfasst als Syndrom verschiedenste Symptome. Ihre Ursachen? In 60 % der Fälle Morbus Alzheimer. Nervenzellen und Kontakte bestimmter Hirnarealen sterben ab, nach und nach. Alzheimer beginnt schleichend – und zu Anfang ohne körperliche Symptome.

Alzheimer und Demenz – was steckt dahinter?                                          

Alz1 1906 schilderte ein Oberarzt der Königlichen Psychiatrischen Universitätsklinik München auf einer Fachkonferenz in Tübingen Beobachtungen, die sich ab 1910 als Alzheimersche Krankheit in den Lehrbüchern etablierten. Sein Name: Alois Alzheimer. Demenz beeinträchtigt Gedächtnis und Gehirnleistung dauerhaft und fortschreitend. Auch das Verhalten im zwischenmenschlichen Bereich und der Antrieb verändern sich. Betroffen sind unter den:
>70- bis 74-Jährigen 4 %
> 80- bis 84-Jährigen über 15 %
> über 90-Jährigen 41 %
Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten, so dass die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bis 2050 mit drei Millionen Betroffenen rechnet. Für Träger des im Bluttest nachweisbaren ApoE4-Gens liegt das Erkrankungsrisiko dreimal so hoch. Auf der Suche nach wirksamen Therapien sind klinische Studien zu biologischen Ursachen dieser unheilbaren Krankheit und zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapieverfahren auf Freiwillige angewiesen, die ihr Gehirn nach dem Tod zur Verfügung stellen.                             

Ist es wirklich Alzheimer?

Wen bei wiederkehrenden Ereignissen das Gedächtnis im Stich lässt, wer wiederholt mit Wortfindungsstörungen oder Orientierungsproblemen kämpft, sollte zunächst den Hausarzt aufsuchen, der im Verdachtsfall an Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie überweist. Auch spezielle Gedächtnisambulanzen (Memory Kliniken) und Gedächtnissprechstunden widmen sich Diagnose und Therapie von Demenz (Adressen bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft). Der Facharzt wird im Gespräch mit dem Betroffenen bzw. dessen Bezugsperson nach Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus, Sinnestäuschungen, depressiven Verstimmungen und Persönlichkeitsveränderungen, aber auch danach fragen, welche sozialen Fähigkeiten und praktischen Fertigkeit noch funktionieren. Das Ziel: Symptommuster erkennen.
Bei Alzheimer leidet nicht nur das Gedächtnis, sondern auch das Denkvermögen, so dass einfache Alltagsbewältigung wie das Einparken des Wagens und die Orientierung immer schwerer fällt: Wo bzw. in welcher Situation bin ich hier? Welche Tageszeit ist es? Ob es sich hierbei um normales Altern, andere psychische Erkrankungen oder Demenz handelt, sollen psychologisches Tests von Gedächtnis, Denkleistung, Wahrnehmung, Orientierung, Sprach- und Urteilsvermögen ermitteln. Um andere Erkrankungen auszuschließen, wird der Neurologe nach gründlicher körperlicher Untersuchung ein Blutbild und ggf. weitere Laborbestimmungen durchführen. Als bildgebendes Verfahren kann eine Computertomografie im späteren Stadium eine Minderung des Hirnvolumens sichtbar machen. Finden sich im Nervenwasser (aus der Lendenwirbelsäule) die Eiweiße Amyloid-Protein und Tau-Protein, besteht 90-prozentige Gewissheit: Ja, es ist Alzheimer.
Alzheimer Therapie Bislang ist Alzheimer nicht heilbar, doch sein Fortschreiten lässt sich verlangsamen.      Alz3Antidementiva sind Medikamente, die für ein weiteres Jahr die geistige Fitness erhalten und Alltag bewältigen helfen. Hinzukommende Ergotherapie, Sprachtherapie, Krankengymnastik, Kunst- und Musiktherapien sowie Erinnerungstherapien lindern Verhaltensstörungen und verbessern so die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen – sofern diese die Individualität des Alzheimer Patienten berücksichtigen. Immer bleiben respektvolle menschliche Zuwendung, Aktivierung und eine Alzheimer gerechte Gestaltung des Wohnumfeldes Grundvoraussetzungen, um ein Fortschreiten der Demenz aufzuhalten.

Mit Alzheimer leben

Zwei Drittel der Alzheimer Betroffenen wird in der Familie gepflegt. Wie geht man mit Demenz um? Alzheimer ist so individuell wie die Betroffenen selbst. Verhalten und körperliche Symptome verändern sich mit fortschreitender Demenz und nach Tagesform. Manche Patienten sind aggressiv, andere unauffällig, manche bettlägerig, andere körperlich fit. Nicht selten erleben betreuende Angehörige die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Alzheimer Selbsthilfegruppen vor Ort unterstützen dabei:
> Alzheimer anzunehmen,
> sich über Alzheimer informieren,
> sich zuwendend auf das Verhalten des (oft schwierigen) Betroffenen einzustellen,
> für einen gut strukturierten Tagesablauf zu sorgen,
> Patienten in leichte, vertraute Alltagserledigungen einzubeziehen,
> das Wohnumfeld sicherer zu machen (über Nachtbeleuchtung, Kleidung mit Name und Adresse etc.).

Selbst betroffen?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bemüht sich aktiv, die Situation Alzheimerkranker und ihrer Familien zu verbessern – und stellt dazu hilfreiche Tipps sowie umfangreiches Adressmaterial bereit. Alzheimer Prävention anpacken Vorbeugung heißt, geistigen Verfall aufhalten – am besten schon im wichtigen Jahrzehnt zwischen 40 und 50. Wer sich körperlich, geistig und sozial fit hält, aktiv bleibt, sich ausgewogen ernährt und die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen nicht schleifen lässt, senkt sein Alzheimer Risiko. Maßvolle Bewegung bekämpft das Übergewicht, aber trainieren Sie nicht nur die Muskeln, sondern auch Ihre Konzentration über regelmäßigen Denksport. Auch das gelegentliche (kleine!) Glas Rotwein regt die Hirntätigkeit an und beugt Gefäßverkalkungen vor, während übermäßiger Alkoholgenuss nicht ohne toxische Wirkung auf die Gehirnzellen bleibt.
Mental fit mit gesunder Ernährung Eine Ulmer Studie stellte bei Alzheimer Patienten Vitaminmangel fest und belegt, dass  Alz4 Vitamin C und Beta-Karotin die Wahrscheinlichkeit reduzieren, an Gedächtnisleistung und kognitiven Fähigkeiten einzubüßen. Frisches Obst und Gemüse enthält beide im Übermaß. Daneben setzt Alzheimer Prävention  auf eine fettarme, cholesterinarme Ernährung mit reichlich ungesättigten Fettsäuren, aber maximalem Verzicht auf raffinierten Zucker. Werden Sie besser zum Italiener, Griechen oder Südfranzosen.
Eine Studie an der Columbia Universität New York belegt positive Effekte der Mittelmeer-Diät, die neben viel Obst und Gemüse aus fetterem Fisch, nur wenig rotem Fleisch sowie gesunden Fetten aus Nüssen und Olivenöl setzt, aber von fettem Käse und Butter abrät. Wer sich so ernährt, kann auf Vitaminpräparate, Krillöl bzw. Fischöl sowie Folsäurepräparate verzichten. Wem dies in der Alltagshektik nicht gelingt, darf allerdings gern auf gesunde Produkte zur Nahrungsergänzung zurückgreifen. Vitamin C (in Zitrusfrüchten), A (in Spinat und Karotten) und E (in Sellerie, Grünkohl, Nüssen, Vollkorn und pflanzlichen Ölen) bekämpfen freie Radikale, aggressive Sauerstoffverbindungen, die Nervenzellen schädigen. Grüner Tee beugt über die Substanz EGCG vor und senkt erfahrungsgemäß das Risiko von Plaques (Ablagerungen) im Gehirn.
Gesunde Fette in Seefisch senken das schlechte LDL-Cholesterin – und schützen so ebenfalls vor Gefäßverkalkung. Makrele und Thunfisch enthalten nicht nur reichlich Omega-3-Fettsäuren gegen Gefäßverengung, sondern wirken entzündungshemmend und verbessern den Kontakt zwischen den Nervenzellen. Die Aminosäure Homocystein erhöht das Alzheimer Risiko, Folsäure senkt es: Brokkoli, Hühnerleber oder Endiviensalat sind reich an Folsäure, die zusammen mit Vitamin B6 und B12 den Vitamin-B-Komplex bildet. Vitamin B 12 stellt die schnelle Weiterleitung der Nervenimpulse sicher, weil es die nervenumhüllende Myelinschicht schützt.
Auch Zink- und Kupfermangel beschleunigt den Abbau von Gehirnzellen. So konnten Berliner Wissenschaftler nachweisen, dass diese Spurenelemente die Plaquebildung und damit den Gedächtnisverlust aufhalten. Vegetarier sind besonders betroffen, da gerade Fleisch und Innereien reich an Zink sind, das die Nervensignale an den Synapsen für ein reibungsloses Weiterleiten von Nervenimpulsen reguliert. Beachten Sie, dass Kupfer die Zinkaufnahme hemmt – und nehmen sie diese besser als Depotmittel und zeitversetzt ein.

Geistige Leistungskraft erhalten: Vitalstoffe       

Jede vierte Demenz wird durch falsche Ernährung und Vitaminmangel begünstigt. Stress,Alz5  Diäten oder unregelmäßiges Essen? Nicht immer ist für die Aufnahme wichtiger Vitamine und Mineralstoffe gesorgt. Hinzukommt, dass der Körper älterer Menschen länger für die Verwertung braucht. Zwar bringen Nahrungsergänzungen das Gedächtnis nicht zurück, aber lindern die  Symptome und erhalten die geistige Leistungskraft. Allerdings ersetzen Vitalstoffe keine ärztliche Alzheimer Behandlung und medizinische Betreuung. Die tägliche Kost deckt Ihren individuellen Bedarf nicht ab? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt: Er kann Ihnen ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen.